NORA-Studie veröffentlicht: „Fluglärm ist das Lästige, was wir haben!“

NOAH-Studie veröffentlicht: „Fluglärm ist das Lästigste was wir haben!“

Bei der 3. Internationale Fachkonferenz Aktiver Schallschutz Mitte November 2015 in Frankfurt hat sich gezeigt, dass die ersten Pressemeldungen zur NOAH-Studie die gewonnenen wissenschaftlichen Ergebnisse bewusst verharmlost haben. Anscheinend haben die PR-Manager der Fraport AG den Schreibern des Umwelt- und Nachbarschaftshauses (UHN) in Kelsterbach dabei die Feder geführt.

Bei der von über150 Experten aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden und Großbritannien besuchten Konferenz sagte der Studienleiter Prof. Dr. Rainer Guski von der Ruhr-Universität Bochum: „Fluglärm ist das Lästigste,  was wir haben.“ Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann von der Universität Greifswald, Mitglied des Beirates zur Qualitätssicherung, kommentierte die Erkenntnisse über fluglärmbedingte Krankheitsrisiken wie folgt: „Hier sterben mehr Menschen am Lärm als am Verkehr.“ Als gesichert angesehen wird von den Wissenschaftlern der Zusammenhang zwischen Lärm und vermehrten Herz-Kreislauferkrankungen, tödlichen Herzinfarkten, Schlaganfällen und Depressionen.

Die NORAH- Studie wird von Lärmforschern weltweit beachtet, denn zum ersten Mal wurden über einen Zeitraum von fünf Jahren die Auswirkungen von Schienen-, Straßen- und Luftverkehr auf die menschliche Gesundheit untersucht.

Zu Krankheitsrisiken und Blutdruck

Hier besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen chronischer Lärmbelastung und der Zunahme depressiver Erkrankungen. Die Belastungen durch Fluglärm haben einen doppelt so hohen Effekt wie bei den anderen Verkehrslärmarten. Ein signifikanter Zusammenhang zu Fluglärm besteht auch hinsichtlich des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzschwäche und Herzinfarkt. Auch wenn kein nachweisbares Risiko des Fluglärms auf Bluthochdruck und Brustkrebs bei Frauen nachgewiesen werden konnte: Es besteht eine deutliche Risikoerhöhung für den Krankheitsverlauf durch nächtlichen Fluglärm mit hohen Einzelschallpegeln und durch Fluglärm in den Nachtrandstunden.

Die Auswirkungen von Fluglärm und Feinstaub auf Krankheitsrisiken wurden nicht untersucht. Diese Wechselwirkungen lassen sich jedoch nicht ausschließen und sollten näher betrachtet werden.

Zur Lebensqualität und Belästigung:

Die Fluglärmbelästigung ist bundesweit an allen vier untersuchten Flughäfen in Frankfurt, Köln/Bonn, Stuttgart und Berlin deutlich angestiegen und liegt weit über den national und auf EU-Ebene zu Grunde gelegten Lärmwirkungskurven. Am Frankfurter Flughafen fühlen sich die Menschen bundesweit am stärksten durch Fluglärm belästigt.

Zur Schlafstudie:

Die Anwohner hier schlafen seit Einführung der Kernruhezeit  (6 Stunden Betriebsbeschränkung) besser, dennoch fühlen sie sich morgens häufiger müde. Dies ist mit großer  wahrscheinlich auf die höheren Lärmbelastungen zwischen 22.00 und 23.00 Uhr abends und 5.00 bis 6.00 Uhr morgens zurückzuführen.

Zur Kindern-Studie: 

Nachgewiesen wurde, dass Fluglärm die Lese- und Lernleistungen von Kindern bis zu zwei Monaten verzögert. Kinder in lärmbelasteten Gebieten fühlen sich gesundheitlich weniger wohl als Kinder an ruhigen Orten. Darüber hinaus erhalten Kinder in stark fluglärmbelasteten Wohngegenden häufiger ärztlich verordnete Medikamente und haben mehr Sprech- und Sprachstörungen.

Fazit:

Entgegen den ersten Presseveröffentlichung  haben der stattgefundene NORAH-Workshop in Darmstadt und die Internationale Fluglärmkonferenz im THE SQAIRE am Flughafen Frankfurt,  die Vorträge der Qualitätssicherer und die Beiträge der Wissenschaftler aus Österreich, den Niederland, der Schweiz und Grußbritannien gezeigt,  die Wechselwirkungen zwischen Fluglärm und Erkrankungen und die damit verbundene Minderung der Lebensqualität müssen sehr ernst genommen werden.

Bundes- und Landesregierung sowie die Politiker auf allen Ebenen bis hin zur EU, die Luftverkehrslobby und alle gesellschaftlichen Gruppen sind gefordert, sich intensiv mit den Ergebnissen der NORAH-Studie auseinanderzusetzen und sie nicht vorschnell abzutun.

Angesagt ist eine deutliche Verbesserung des Schutzes der gesetzlichen Nacht, die Einführung von Betriebsbeschränkungen und 8 Stunden Nachtruhe.

Ein höheres Schutzniveau bei hohen Dauerschallpegeln und – ergänzend in der Nacht – bei hohen Maximalschallpegeln ist im Luftverkehrsgesetz zu verankern.

Eine stärkere Berücksichtigung der Belästigung, Anpassung der gesetzlich verwendeten Dosis-Wirkungskurven auf nationaler und EU-Ebene ist notwendig.

Eine verbesserte Ausstattung von Schulen – insgesamt 33 in Tageschutzzone 1 und 2 – mit passivem Schallschutz und Bildungsprogrammen zur Verbesserung der Lesefähigkeiten für Kinder sind zügig umzusetzen.

Der aktive Schallschutz muss im nationalen Rechtsrahmen Vorrang vor dem passiven Schallschutz haben.

Eine Gesamtlärmbetrachtung ist vorzunehmen und entsprechende Reduzierungskonzepte sind lokal, regional und überregional zu erarbeiten.

Die Themen Luftschadstoffe und Feinstaub  sollten nicht weiter kleingeredet werden. Entsprechende Mess-Programme sind zu etablieren, hohe Grenzwerte sind EU-weit festzusetzen und eine umfassende Präventionsstrategie ist zu erarbeiten.

Die bereits hoch belastete und dicht besiedelte Rhein-Main-Region verträgt kein Drehkreuz mit einem globalem Einkaufszentrum und angelagerten Flughafen. Rückbau des Flughafens, kein Terminal 3, Verzicht auf die Drehkreuzfunktion und  die Airport-City Frankfurt sind angesagt.

Gesundheit und Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger sollten zukünftig an erster Stelle stehen und nicht die Wirtschaftsinteressen der Fraport AG, der Lufthansa AG, der Logistikkonzerne und ihrer Lobby in Politik und Gesellschaft.

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